Wissenswertes zum Krankheitsbild

Gedächtnisabbau

Es gibt viele Krankheiten, die zu einer Demenz führen können. Die bekannteste und häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz. Das auffälligste Symptom, das die meisten Menschen mit einer Alzheimer-Demenz verbinden, ist der im Lauf der Jahre zunehmende Abbau des Gedächtnisses. Dabei ist zunächst das Kurzzeitgedächtnis betroffen, immer mehr wird jedoch auch das Langzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen, bis hin zum fast totalen Erlöschen jeder Erinnerung. Ein Mensch, der an einer Alzheimer-Demenz leidet, kann sich ab einer bestimmten Phase seiner Erkrankung auch mit viel Anstrengung nicht daran erinnern, dass er z. B.

  • heute schon Besuch gehabt hat,
  • vor kurzem bereits zu Mittag gegessen hat,
  • erst vor 4 Wochen ein Enkelkind bekommen hat,
  • vormittags schon beim Einkaufen war,
  • die Wohnung, in der er sich befindet, sein Zuhause ist,
  • jetzt im Pflegeheim wohnt oder – in einer späteren Krankheitsphase –
  • je verheiratet war.

Wie kommen die Schuhe in den Kühlschrank?

Weniger bekannt und doch auch sehr belastend sind eine ganze Reihe von weiteren Symptomen, die für das Verständnis der Erkrankung wesentlich sind:
So ist meistens schon im frühen Krankheitsstadium die Fähigkeit zum komplexen und logischen Denken gestört. Es können keine sinnvollen Zuordnungen mehr gebildet werden, etwa: Schuhe gehören in den Schuhschrank. Die Kategorie Schrank wird nicht weiter unterteilt: Schrank ist Schrank – und so können die Schuhe eben auch im Kühlschrank landen oder die Geldbörse, oder der Schmuck.

Eine Fallbeschreibung

Frau Huber ist 72 Jahre alt und lebt allein in ihrer Wohnung. Tochter Eva und Sohn Karl schauen oft bei ihr vorbei und sie freut sich über den guten Kontakt zu ihren Kindern. Da sie noch sehr rüstig ist, kam sie bisher mit etwas Hilfe ganz gut allein zurecht. In letzter Zeit fällt Tochter Eva jedoch auf, dass die Mutter viel zu viele Lebensmittel im Kühlschrank aufbewahrt und Verdorbenes nicht mehr entfernt. Überhaupt vergisst Frau Huber oft Dinge, sie bringt die Namen der Enkelkinder durcheinander, kauft manchmal sogar doppelt ein. Als sie letztens ihre Schwester in Esslingen besuchte, fand sie den Weg vom Bahnhof nicht mehr nach Hause und musste ein Taxi nehmen.
Erst kürzlich hat der Nachbar erzählt, die Mutter lasse die ganze Nacht über das Licht brennen und geistere in der Wohnung herum. „Ein bisschen wunderlich wird Mutter schon“, denken sich die Kinder. Als Eva bei einem Besuch jedoch ein paar Schuhe im Kühlschrank findet, ist sie beunruhigt. So kann das nicht weitergehen!
Eva und Karl reagieren inzwischen häufig recht ungeduldig darauf, dass ihre Mutter immer wieder mit den gleichen Geschichten von früher anfängt: „Das hast du doch schon hundert Mal erzählt, ich kann's jetzt nicht mehr hören“, ist die häufige Reaktion. Auch an den Termin beim Hausarzt hat Frau Huber nicht gedacht. Das wäre früher nie vorgekommen. „Mutter lässt jetzt ganz schön nach“, denken sich die Kinder, „das bringt eben das Alter so mit sich“.
Frau Huber geht nun immer weniger aus dem Haus, bei Zusammenkünften mit der Familie wirkt sie seltsam abwesend und uninteressiert. Man hat den Eindruck, als wüsste sie oft gar nicht, wovon gerade die Rede ist. An viele Begebenheiten kann sie sich offensichtlich nicht mehr erinnern.
Schließlich nimmt sie auch nicht mehr an ihren früher so heiß geliebten Treffen in ihrer Seniorengruppe teil: „Das ist nichts mehr für mich“, meint sie, als Eva sie darauf anspricht. Die Kinder sind auch besorgt, weil Frau Huber immer seltener richtig kocht: „Ich brauche nicht mehr so viel“, sagt sie immer. Geduldig versuchen sie, mit den Eigenheiten ihrer Mutter umzugehen. Aber dass sie den Geburtstag ihrer einzigen Tochter vergessen hat, nimmt ihr Eva wirklich übel – noch dazu, wo sie sich fast täglich um ihre Mutter kümmert. In den Augen der Kinder wird Frau Huber immer „komischer“. Man kann gar nicht mehr vernünftig mit ihr reden. Besonders viel Ärger gibt es, wenn Eva ihre Mutter darauf hinweist, dass sie sich wieder einmal duschen oder die verschmutzte Kleidung wechseln sollte. Dabei hat sie doch immer so viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt. Die Auseinandersetzungen häufen sich. Frau Huber ist ständig in Sorge um ihr Geld. Es fällt schon auf, dass sie fast täglich zur Bank geht, um sich zu vergewissern, dass mit den Finanzen alles seine Ordnung hat. Oft hebt sie Geldbeträge ab und versteckt sie dann bei sich zu Hause, wo sie es nicht mehr findet. Neulich hat sie sich bei Eva beklagt, dass Sohn Karl ihr Geld gestohlen habe. Als Eva mit Karl darüber spricht, ist er über die ungerechtfertigten Vorwürfe sehr erbost. Seitdem ist er mit seiner Mutter im Streit. Der Familienfrieden ist dahin.
Eines Abends wird Frau Huber von der Polizei nach Hause gebracht, nachdem sie im Viertel nur mit Nachthemd und Pantoffeln bekleidet herumgeirrt war. Den Kindern ist das sehr peinlich, sie sind besorgt und wissen sich nicht mehr zu helfen. Um eine umfassende Beratung zu erhalten, meldet sich der Sohn bei der „Beratungsstelle für ältere Menschen“ an.